| Redebeitrag zur Antifa-Demo am 17. Mai in Teltow |
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| Friday, 16. May 2008 | |
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Im Vorfeld der heutigen Demonstration kündigten Neonazis vollmundig Störaktionen an. Außerdem fuhren fünfzehn Rechte am vergangenem Wochenende durch Teltow, um linke Aufkleber und Plakate abzureißen. Dazu verteilten sie Flugblätter, auf denen gegen die heutige Demonstration, "Linkskriminelle" und "Undeutsches" gehetzt wird. Verantwortlich dafür zeichneten sich neben Berliner KameradschaftsaktivistInnen vor allem Mitglieder der „Freien Kräfte“ aus Teltow-Fläming. Grund genug, um sich einmal die Situation im benachbarten Landkreis vor Augen zu führen:
Zunächst lässt sich erfreulicherweise feststellen, dass es in Teltow-Fläming keinen eigenen NPD Orts- oder gar Kreisverband gibt. Das ist allerdings kein Grund zur Entwarnung, denn der, im Landkreis Dahme-Spree ansässige, NPD-Verband Dahmeland, sieht sich selbst als zuständig für den Landkreis und kündigt einen Strukturausbau auch in Teltow-Fläming an. Da dies allerdings bis zur Wahl im September nicht passieren wird, versucht die Partei ihre Strukturschwäche auszugleichen, indem sie vor allem mit Unterstützung von Symphatisanten der „Freien Kräfte Teltow-Fläming“ einen Schwerpunktwahlkampf in einzelnen Orten führt. Einer dieser Schwerpunkte scheint ganz offensichtlich das südlich von Teltow gelegene Ludwigsfelde zu sein. Neben mehreren Flugblattaktionen für die NPD, ist die Kundgebung vom 12. Mai in Ludwigsfelde mit rund 80 Neonazis aus Teltow-Fläming, Königs Wusterhausen sowie Potsdam und anderen Orten als nennenswerteste Aktion zu bezeichnen. Mit einem Bürgerfest und kleineren Störversuchen wurde an dem Tag gegen die Rechtsextremen protestiert. Zusätzlich zur NPD tritt zur Kommunalwahl im Landkreis auch die rechtsextreme DVU an. Mit Infoständen ist die DVU in Teltow-Fläming leider regelmäßig im Landkreis präsent und somit derzeit aktiver als die NPD. Scheinbar fühlt sich die Partei hier so wohl, das sie sogar im September 2007 eine Saalveranstaltung der Landesverbände Berlin und Brandenburg in Dahme durchführten. Mit knapp 200 Teilnehmern, u.A. dem Bundesvorsitzenden der DVU, war diese Veranstaltung vergleichsweise gut besucht. Dass es für die Partei allerdings auch Probleme geben kann, wenn sie mit ihrer menschenverachtenden Propaganda an die Öffentlichkeit geht, mussten DVU-AktivistInnen am vergangenen Samstag erfahren. Mehrere AntifaschistInnen protestierten lautstark gegen die Rechten. Die treibende neonazistische Kraft im Landkreis sind jedoch die sogenannten „Freien Kräfte Teltow-Fläming“. Bei dieser Gruppierung handelt es sich um knapp 15 aktionsorientierte, jugendliche Neonazis, vorwiegend aus dem Norden Teltow-Flämings, die als lose Clique, ohne verbindliche Struktur politisch agieren. Tonangebend sind dabei Michael Skupin, Christoph Schack und Michael Brune. Haupttätigkeitsfelder sind hierbei vor allem Anti-Antifa Aktivitäten und der Wahlkampf der NPD. Die im Landkreis strukturschwache Partei wäre ohne die Neonazis der FKTF, nicht in der Lage, hier überhaupt Wahlkampf zu betreiben. So wurde zur Kreistagswahl nicht zufällig Ludwigsfelde als Schwerpunkt gewählt. Denn dort wohnt der größte Teil der lokalen „Freien Kräfte“ und scheint zumindest in diesem Ort in der Lage, stellvertretend den Wahlkampf für die NPD zu führen. Eigene Veröffentlichungen dieser Gruppierung sind jedoch die Seltenheit und dann kaum inhaltlich fundiert. Ein diffuses rechtes Weltbild tritt hier zutage. Ideengeber sind, mehr als offensichtlich, vor allem die NPD-Strukturen aus dem Landkreis Dahme-Spree und das Spektrum der „Freien Kräfte Berlin“. So führten FKTF-Mitglieder parallel zu Berliner Aktionszusammenhängen Putzaktionen in Parks durch, und deklarierten das ganze als „Nationale Umweltkampagne“. Unabhängig davon betätigen sich die Neonazis vor allem im Bereich der sogenannten „Anti-Antifa-Arbeit“, demzufolge sie private Daten von Andersdenkenden und -aussehenden sammeln, zum Teil auf Schwarzen Listen veröffentlichen und diese Personen nicht selten auch angreifen oder bedrohen. So versuchten Mitglieder der FKTF, Infoveranstaltungen der Autonomen Antifa Teltow-Fläming zu attackieren, andere linke Veranstaltungen auszuspähen und bei jeder sich bietenden Gelegenheit AntifaschistInnen abzufotografieren. Mehrfach waren gewalttätige Übergriffe die Folge dieser Aktivitäten. Dass sich lokale AntifaschistInnen solche Entwicklungen nicht gefallen lassen, musste zuletzt FKTF-Mitglied Marty Gansekow festellen. Dessen Haus wurde im Vorfeld der NPD-Kundgebung von AntifaschistInnen attackiert. Mit Farbe wurde die Fassade verschönert und Steine zerstörten dessen Fenster. Es lässt sich Feststellen, dass die NPD zunehmend versucht im Landkreis Fuß zu fassen und sich dabei der Hilfe der „Freien Kräfte Teltow-Fläming“ sicher sein kann. Ob dieser Versuch erfolgreich sein wird, hängt nicht zuletzt auch vom Engagement der lokalen AntifaschistInnen und AnwohnerInnen ab, die Neonazis dabei zu behindern, zu stören und zu sabotieren. Dass die NPD-Kundgebung in Ludwigsfelde nur unter Polizeischutz ungestört stattfinden konnte, dass gesellschaftliche Gruppen und Vereine Rechtsextremismus als ein Problem im Landkreis erkennen und dass zuletzt im April, laut einem Naziforum, das Auto vom NPD-Kader Matthias Ridderskamp in Blankenfelde abgefackelt wurde, sind jedenfalls positive Zeichen in die richtige Richtung. Wer Interesse an Informationen und Neuigkeiten aus dem Landkreis aus antifaschistischer Sicht hat, kann sich unter www.aatf.antifa.net informieren und Kontakt zu lokalen AktivistInnen aufnehmen. |



